Wegbereitend
Zu meiner Studentenzeit im schönen Wien waren es lange Fußwege, die ich gehen wollte durch den 1. Bezirk dieser wundervollen Stadt. Glamour aus Lichterketten – von einem Baum zum Nächsten. Von einem Hotel zum anderen.

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Vor einem Hotel sah ich schon von Weitem eine Menschentraube stehen. Sicherlich, so dachte ich mir, wird hier wieder ein prominenter Gast zu sehen sein. Der rote Teppich ausgerollt. Die Butler schon zur Stelle – die Limousine schon vorgefahren. Wie lange hier wohl alle schon warteten, fragte ich mich. Und dann war ein Klatschen und Jubeln zu hören – der Promi wurde begrüßt, bejubelt. Die Blitzlichter erhellten den Moment und schon bald löste sich alles auf, denn der Promi ging einfach seiner Wege, setzte sich ins Auto und es fuhr davon. Und nun gingen sie auseinander, die Menschen, die in Scharen harrten. Hat es sich gelohnt, habe ich mich gefragt. Dieses Warten. Dieses Hoffen.
Eine Frage blieb mir hängen: Was, wenn es Jesus gewesen wäre – dieser Promi, wer hätte da gestanden und gewartet?
„Bereitet dem Herrn den Weg.“ So beginnt der Wochenspruch für die neu anbrechende Woche aus Jesaja 40, 3. Man könnte meinen, dass wir das tun: mit Weihnachtsmärkten, mit Konzerten, viel Rummel um Geschenke, und das alle Jahre wieder. Das scheint unsere Art zu sein, auf Jesus zu warten. Mit einer umtriebenen Rastlosigkeit. Ganz anders als die Fans damals in Wien. Mir fällt auf, dass wir im Gegensatz zu ihnen nicht wartend ausharren, um ihn endlich zu empfangen, dieses Jesuskind, diesen Heiland.
Wir machen den Glamour um ihn herum. Der Wiener Promi war Glamour an sich. Diese Stars sind meist wesentlich reicher, als ihre Fans es sind. Selten machen wir uns klar, dass Jesus das auch ist: Wesentlich reicher als wir es sind. Er ist reicher an Friedfertigkeit, Nächstenliebe, Teilhabe, Empatie. Ich wünschte, diese Art von Reichtum hätte immer einen echten Wert. Und das nicht nur in der Theorie. Dann würden wir dastehen – vor der einfachen Hütte, aus der Jesus irgendwann herauskommen würde und warten. Ihm alles vorbereiten. Dienend bereitstehen. Und dann, wenn er vorübergezogen ist, als Idol täglich im Herzen bewegen.

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Esther M. Fauß
Gemeindepfarrerin in Neckargerach, Binau, Guttenbach, Zwingenberg
